Netzwerkbüro schafft Bewusstsein für Hitzeschutz
Mit praxisnahen Impulsen aus Sportmedizin, Klimaanpassung und Vereinsrealität machte der Online-Workshop deutlich: Hitzeschutz ist längst kein Randthema mehr, sondern wird für Sportvereine zu einer zentralen Zukunftsaufgabe.
Beim Online-Workshop „Hitzeschutz und Sport – ein Widerspruch?“ des Netzwerkbüros für Nachhaltigkeit im Sport in der Lausitz stand eine Frage im Mittelpunkt, die viele Vereine in den Sommermonaten unmittelbar betrifft: Wie kann Sport auch bei steigenden Temperaturen sicher, verantwortungsvoll und alltagstauglich gestaltet werden?
Ob Training auf dem Fußballplatz, Wettkampf im Freien, Sportfest, Turnier oder Bewegung in der Halle – Hitze stellt Vereine zunehmend vor neue Herausforderungen. Besonders in Brandenburg wird das Thema Hitzeschutz immer bedeutender: Die Anzahl an Hitzetage steigt und die Temperaturspitzen nehmen zu. Damit gehört Brandenburg zu den am stärksten betroffenen Bundesländern. Deswegen zeigte der Workshop wie Vereine mit einfachen Maßnahmen viel erreichen können.
Sportmedizinischer Blick: Risiken erkennen, Verantwortung übernehmen
Einen ersten fachlichen Impuls gab Frau Dr. med. Claudia Beckendorf von der Hochschulambulanz der Universität Potsdam. Sie ordnete das Thema aus sportmedizinischer Perspektive ein und machte deutlich, welche körperlichen Belastungen Hitze für Sportlerinnen und Sportler bedeuten kann.
Gerade bei intensiver Bewegung steigt das Risiko für Überhitzung, Kreislaufprobleme oder Dehydrierung. Entscheidend sei deshalb, Warnzeichen ernst zu nehmen und Trainings- sowie Wettkampfsituationen frühzeitig anzupassen. Dazu gehören unter anderem veränderte Trainingszeiten, mehr Trinkpausen, reduzierte Belastung, Schattenplätze und ein bewusster Umgang mit Risikogruppen.
Der Impuls machte deutlich: Hitzeschutz beginnt nicht erst im Notfall. Er beginnt bereits bei der Planung von Trainingseinheiten, Veranstaltungen und Vereinsabläufen. Trainerinnen und Trainer, Übungsleitende und Verantwortliche im Verein nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein.
Hitzereaktionsplan Brandenburg: Vom Wissen ins Handeln kommen
Im zweiten Impuls stellten Pauline Stiller und Carsten Walther Ansätze aus dem Hitzereaktionsplan Brandenburg vor. Dabei wurde deutlich, dass Hitzeschutz nicht nur eine medizinische Frage ist, sondern auch Organisation, Kommunikation und Infrastruktur betrifft.
Für Vereine bedeutet das: Bestehende Notfall- und Kommunikationspläne sollten um das Thema Hitze erweitert werden. Wer erhält Hitzewarnungen? Wie werden Informationen an Trainerinnen, Trainer, Mitglieder, Eltern oder Besucherinnen und Besucher weitergegeben? Wann müssen Trainingseinheiten angepasst, Spiele unterbrochen oder Veranstaltungen verändert werden?
Auch einfache organisatorische Schritte wurden vorgestellt: kühle Rückzugsorte definieren, Trinkwasserversorgung sicherstellen, Schatten schaffen, Raumtemperaturen beobachten und Verantwortlichkeiten im Verein klären. Kurzfristig können Sonnenschirme, Sonnensegel oder angepasste Lüftungspläne helfen. Langfristig gewinnen Begrünung, Entsiegelung und bauliche Verschattung auf Sportanlagen an Bedeutung.
Austausch und Vernetzung als wichtiger Baustein
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Austausch zwischen Vereinen, Kommunen, Fachstellen und weiteren Akteuren. Pauline Stiller und Carsten Walther von der Fachstelle Hitzeschutz Brandenburg stellten in ihrem Fachvortrag unter anderem die digitale Arbeitsplattform auf Miro vor. Dort werden Informationen, Materialien, Best-Practice-Beispiele, Veranstaltungen und Fördermöglichkeiten gebündelt, sodass sich Vereine und weitere Akteure auch über den Workshop hinaus austauschen und vernetzen können. Besonders interessant für Sportvereine sind die verlinkten Leitfäden, Checklisten und Muster-Hitzeschutzpläne, die konkrete Hilfestellungen für die Umsetzung eigener Hitzeschutzmaßnahmen bieten. Vereine müssen also nicht bei null anfangen, sondern können auf vorhandene Materialien zurückgreifen und diese an ihre eigene Situation anpassen.
Auch aus der Runde wurde deutlich, dass viele Vereine bereits vor ähnlichen Fragen stehen: Wie hoch ist der Anteil besonders gefährdeter Gruppen im Verein? Welche Fördermöglichkeiten könnten künftig für Hitzeschutzmaßnahmen infrage kommen? Und welche kostengünstigen Lösungen sind gerade für ehrenamtlich geführte Vereine realistisch?
Präsentation folgt.
Hitzeschutz als Teil nachhaltiger Vereinsentwicklung
Der Workshop zeigte eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit im Sport weit über Energie, Mobilität oder faire Beschaffung hinausgeht. Auch der Schutz der Gesundheit gehört zu einer zukunftsfähigen Vereinsentwicklung.
Wenn Sportvereine Trainingszeiten anpassen, Schattenplätze schaffen, Trinkwasser bereitstellen oder ihre Mitglieder sensibilisieren, leisten sie einen konkreten Beitrag zur Klimaanpassung. Gleichzeitig stärken sie ihre Verantwortung gegenüber Kindern, Jugendlichen, Seniorinnen und Senioren sowie allen Menschen, die regelmäßig Sport treiben oder Vereinsveranstaltungen besuchen.
Zum Abschluss wurde erneut auf vorhandene Materialien wie den Muster-Hitzeschutzplan des DOSB und weitere Informationsangebote verwiesen. Das Netzwerkbüro für Nachhaltigkeit im Sport in der Lausitz wird die Vereine weiterhin dabei unterstützen, passende Maßnahmen zu finden, Wissen zu bündeln und den Austausch in der Region zu fördern.
Klar wurde an diesem Nachmittag: Hitzeschutz und Sport sind kein Widerspruch. Im Gegenteil – wer Sport zukunftsfähig gestalten will, muss Gesundheitsschutz, Klimaanpassung und Vereinsalltag gemeinsam denken.

