Der Sport geht bei der Transformation voran: mit Photovoltaik, Crowdfunding und Upcycling

Miriam Kluttig, 1. Vorsitzende des TC Cottbus, kann mit sieben ehemaligen Parplatzleuchten vom Lausitz Park jetzt drei Plätze des TC Cottbus beleuchten. Foto: Thomas Juschus

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Von Verein zu Verein: Beispiele aus Sonnewalde, Finsterwalde und Cottbus

Die Lausitz steckt mitten im Transformationsprozess. Und der Sport ist mit dabei. Bei den Gesprächen und Beratungen des „Netzwerkbüro für Nachhaltigkeit im Sport in der Lausitz“ im März 2026 gab es wieder inspirierende Beispiele, wie sich die Sportregion zukunftsfähig aufstellt und nachhaltig entwickelt: mit Photovoltaik, Crowdfunding oder Upcycling.

Der SV Blau-Gelb Sonnewalde (Landkreis Elbe-Elster) ist einer der Vorzeigevereine in Sachen Nachhaltigkeit. Schon beim Neubau des Vereinsgebäudes auf dem Sportplatzgelände unweit des Schlosses in den Jahren 2008 und 2010 verzichtete der Verein bewusst auf eine Gas- oder Ölheizung, setzte stattdessen auf eine Holzvergaserheizung. Das ganze Objekt, gefördert aus Mitteln des Goldenen Plans, wurde bereits damals barrierefrei angelegt. Schon vor einiger Zeit erfolgte die Umrüstung auf energie- und damit kostenfreundlichere LED-Beleuchtung.

Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Vereins weiter zu stärken, baute der Verein 2024 eine Photovoltaik-Anlage mit 28 Modulen und eigenem Speicher. Wurden 2023 noch 4892 Kilowattstunden Strom verbraucht und gingen die Kosten für die Bewirtschaftung immer weiter in die Höhe, konnte der Verein 2024 seinen Verbrauch mithilfe der Anlage auf 1085 kwh reduzieren. „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung – und haben unsere Stromkosten auf wenige hundert Euro senken können“, sagt Vereinschef Mario Schicketanz (57), der seit 30 Jahren an der Spitze der SGS mit ca. 265 Mitgliedern steht.

Mit jeder Menge ehrenamtlicher Arbeit und unkomplizierter Hilfe von Partnern aus dem Vereinsumfeld wurde das Projekt in relativ kurzer Zeit umgesetzt. 60 Prozent der Kosten brachten Vereinssponsoren auf, 40 Prozent steuerte der SV Sonnewalde aus Eigenmitteln bei. „Letztendlich war der Eigenanteil aber sehr gering, da wir eine nachträgliche Förderung aus dem Klimafond der UEFA erhalten haben“, so der Vereinschef. Im Rahmen der UEFA EURO 2024 in Deutschland hatte die UEFA unter dem Motto „United by Football – Together for Nature“ einen Fonds für Klimaschutzprojekte eingerichtet, bei dem sich deutsche Amateurvereine um Fördermittel für Projekte mit Bezug zum Klimaschutz bewerben konnten. „Geld, das wir jetzt bei der Bewirtschaftung einsparen, können wir unserem Nachwuchs zur Verfügung stellen, zum Beispiel für die Ausstattung der Mannschaften. Wir hoffen, dass wir dafür durch unsere Investitionen in die PV-Anlage Gelder freibekommen“, betont Mario Schicketanz.

Jona Peters, Leiter vom Netzwerkbüro für Nachhaltigkeit im Sport in der Lausitz, beim Besuch der SV Sonnewalde mit Vereinschef Mario Schicketanz (r.). Foto: Thomas Juschus

Auch bei der Spielvereinigung Finsterwalde (Landkreis Elbe-Elster) steht Nachhaltigkeit schon länger im Fokus. 2024 setzte der ca. 330 Mitglieder starke Verein ein weiteres Projekt um: eine vollautomatische Beregnungsanlage für den Einheit-Sportplatz an der Kirchhainer Straße 60, um für die 13 Mannschaften auch zukünftig optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen bei bester Rasenqualität anbieten zu können. Der besondere Clou: finanziert wurde die Anlage mittels Crowdfunding. Bis dato wurde der Platz mit viel ehrenamtlicher Man-Power und unter hohem zeitlichem Aufwand manuell mit Beregnungswagen, vielen Schläuchen und zusätzlichen Sprengern gepflegt.

„Ziel war es, Wasser effizienter zu nutzen, Ressourcen zu schonen und den Platz durch eine nachhaltigere Bewässerung zu erhalten“, sagt Stefan Höhne, Vorstand für Infrastruktur, Energie und Technik bei der Spielvereinigung Finsterwalde und zusammen mit Sebastian Schulz einer der Initiatoren der Aktion. Das Besondere: Dieses Projekt wurde erfolgreich umgesetzt mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion. Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) ist eine Methode, bei der Projekte, Start-ups oder Ideen über das Internet durch viele Personen mit kleinen Geldbeträgen finanziert werden.

Mehr als 80 Unterstützer beteiligten sich im Frühjahr 2024 an der Crowdfunding-Aktion, brachten binnen knapp vier Wochen auf dem Internet-Portal www.99funken.de mehr als die erhoffte Zielsumme von 20.000 Euro zusammen. Die Sparkasse Elbe-Elster legte als „Co-Funder“ nochmals 5000 Euro obendrauf. Für die Spender gab es als Prämien beispielsweise Fanartikel, Eintrittskarten oder Werbung auf dem Sportplatz – und für alle aktiven Mitglieder seitdem einen besseren Rasenplatz dank der vollautomatischen Beregnungsanlage, die direkt im Anschluss an die Aktion noch vor dem Sommer 2024 erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Auch dank vieler helfender Hände beim Einbau blieben die Kosten mit ca. 25.000 Euro im gesetzten Rahmen. „Die Anlage ist optimal für Training oder bei Spielen. Sie spart Zeit und Wasser und sichert optimale Bedingungen für unseren Nachwuchs und die Männermannschaften“, sagt Stefan Höhne. Die Erfahrungen der SpVgg Finsterwalde mit Crowdfunding fasst er so zusammen: „Die Crowdfunding-Aktion über ,99funken.de‘ war für uns als Verein eine tolle Möglichkeit, für unser Herzens-Projekt weitere Unterstützer auch über das direkte Umfeld des Vereins hinaus einzuwerben und so das nachhaltige Projekt am Ende gemeinsam erfolgreich umsetzen zu können.“

Stefan Höhne (l.), Vorstand für Infrastruktur, Energie und Technik bei der Spielvereinigung Finsterwalde, Petra Köckritz (Geschäftsführerin Kreissportbund Elbe-Elster), und Jona Peters, Leiter Netzwerkbüro für Nachhaltigkeit im Sport in der Lausitz, beim Besuch der Sportanlage. Foto: Thomas Juschus

Mit einem überaus gelungenen Projekt des ,Upcycling‘ konnte der Tennisclub (TC) Cottbus nachhaltig punkten. Upcycling ist die kreative Wiederverwertung von Abfallprodukten oder alten Materialien, die einer neuen Verwendung zugeführt werden. Schon lange wünschte sich der TCC eine Flutlichtanlage. Einschlägige Förderanträge wurden seit 2018 mehrfach nicht positiv entschieden. Und so musste der Zufall helfen, dass seit 2023 Platz 8 mit einer Flutlichtanlage für Trainingsbetrieb ausgestattet werden konnte.

2023 begannen die umfangreichen Bauarbeiten am Lausitz Park im Süden von Cottbus im Stadtteil Groß Gaglow. Auf den Parkplätzen des Einkaufszentrums wurden damals auch mehrere Laternenmasten abgerissen – und statt diese der Verschrottung zuzuführen, landeten sieben dieser rund zehn Meter hohen Masten beim TC Cottbus auf den Tennisplätzen am Eichenpark. „Die Masten waren ungewöhnlich hoch, hatten genau die richtige Höhe für unseren Hartplatz“, berichtet Miriam Kluttig, 1. Vorsitzende des TCC.

Derzeit entsteht neben den Tennisplätzen das neue Vereinsheim, dass nach einigen Wochen Bauverzug im strengen Winter voraussichtlich Ende Mai seiner Bestimmung übergeben werden soll. Dann werden auch vier weitere Masten auf den Plätzen zwei und drei ihren nächsten Bestimmungsort finden. Lediglich die Beleuchtungseinheiten – natürlich moderne LED-Leichten – müssen angeschafft werden. Dank vorhandenem Knowhow im Verein konnten die Fundamente, die Verkabelung und letztlich das Aufstellen der Flutlichtmasten in Eigenleistung durchgeführt werden. „Wir hatten mal ein Angebot für Flutlicht für die drei Plätze, das lag bei 70.000 Euro. Da sind wir dank unserer Upcycling-Methode weit darunter geblieben“, freut sich Miriam Kluttig. Und neben den tennis-spielenden TCC-Mitgliedern freut sich die Umwelt, dass die Masten ein zweites Leben bekommen haben.

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